Kleiner Wegweiser für die Handentwicklung

Praxistipp, Seite 2

Ist der Entwicklungstank nun mehr oder weniger mit diesen Features ausgestattet, kann es auch schon los gehen. Als erstes wird die richtige Chemie angesetzt. Maschinenentwickler bzw. Fixierer sind nicht unbedingt dazu geeignet, also zur Sicherheit auch nur Handentwicklungschemikalien benutzen. Unabhängig davon, ob Sie Flüssigkonzentrat oder Pulver verwenden, beim Ansetzen muss ordentlich gerührt werden (!!!), damit eine homogene und somit richtig arbeitende Lösung entsteht. Auch die Reihenfolge bei mehrteiligen Ansätzen ist einzuhalten. Zu Vereinfachung ist es leichter, wenn man Chemikalien in Abpackungen kauft, die sich ohne großen Rechenaufwand und Auslitern ansetzen lassen. Das spart Nerven und es verbleiben auch keine Reste, die vor der eigentlichen Verwendung schon schlecht sind. Es ist unbedingt darauf zu achten, nicht nur beim Ansatz, dass keinerlei Fixierer in den Entwickler gelangt, denn dann ist dessen Austausch zwingend notwendig. Der Ansatz erfolgt auf jeden Fall mit kaltem Wasser, weil es leichter und vor allem schneller ist, von 15 °C auf 20 °C zu erwärmen, als von 25 °C auf 20 °C zu kühlen. Um eine bessere Vermischung zu erreichen, nimmt man ⅔ des nötigen Wassers und gibt dieses als erstes in das jeweilige Becken um dann mit der Chemikalie aufzufüllen. Nach ausreichendem (!) Rühren gibt man dann das restliche Wasser dazu, um nochmals (!) ordentlich zu rühren. Eine Entmischung danach findet nicht statt, so dass nur beim Ansatz so intensiv gemischt werden muss. Nun kann dann auch das Entwicklerbad geheizt werden.

Sind alle Bäder befüllt und der Entwickler auf Temperatur, dann ist die Entwicklungseinheit für alle Schandtaten bereit.

Will man nun eine Aufnahme entwickeln, muss der Film natürlich zuerst in den passenden Filmrahmen eingespannt werden. Dazu ist ganz praktisch, wenn sich in der Dunkelkammer ein Einlegetisch oder ähnliches befindet. Wollen Sie sich etwas in dieser Richtung anschaffen oder selbst zimmern, so sollten Sie darauf achten, dass es eine Unterlage mit hellem Farbton ist, denn beispielsweise eine dunkelgraue, marmorierte Platte hat im Rotlicht denselben Farbton wie ein Röntgenfilm, so dass dieser nur schlecht als solcher zu erkennen ist. Schön plan im Rahmen eingelegt, gibt man nun die Aufnahme in das Entwicklerbecken und startet einen Countdown-Timer, der zuvor auf die passende Zeit eingestellt wurde. Nach Ablauf der Zeit nimmt man den Filmrahmen, ohne abtropfen zu lassen (damit wird verbrauchter Entwickler verschleppt), in das Wasserbad um ihn dort ordentlich zu wässern. Diese Zwischenwässerung ist am einfachsten durch abwechselndes (völliges) Hochziehen und Eintauchen im Wasserbecken zu bewerkstelligen. Zwischen 15x bis 20x sollte genügen. Dann lässt man das Ganze gut abtropfen. Nicht bis zum letzten Tropfen, aber so, dass es keinem Rinnsal mehr gleicht. Darauf gibt man die Aufnahme in das Fixierbad. Nach der benötigten Zeit, in der Regel 5 – 10 Minuten, wird die Aufnahme wieder aus dem Fixierbecken herausgenommen. Ordentlich abgetropft wiederholt sich dann der Vorgang des Wässerns, nur eben doppelt, besser dreifach solange. Übrigens, in der Zeit vom Herausnehmen des Films aus der Kassette bis zum Zeitpunkt, an dem der Film aus dem Fixierer herausgenommen wird, darf nur Rotlicht an die Aufnahme gelangen!!! Der Film reagiert erst nach dem Fixierbad nicht mehr auf weißes Licht empfindlich. Die Zeit. die eine Aufnahme im Fixierbad zu verweilen hat, wird sehr unterschiedlich angegeben. Als Richtwert sind für ein frisches Fixierbad fünf Minuten ausreichend. Nach einigem Gebrauch sollte diese Zeitspanne dann langsam verlängert werden, bis ungefähr zehn Minuten.

Apropos „frisch“..., wann ist eigentlich eines der Bäder erschöpft? Darüber ließe sich ein eigenes Kapitel schreiben, wie man den Silbergehalt bestimmt oder mittels einer Tankspindel die Brauchbarkeit des Entwicklers bestimmt usw., aber man ist praktisch veranlagt, und will die Sache mehr aus dem „Bauch heraus“ angehen und deshalb nur folgenden Abschnitt: Der Fixierer arbeitet etwa doppelt so lange wie der Entwickler, d.h. man wechselt ihn auch nur jedes zweite Mal. Damit der Entwickler möglichst lange gut und gleichmäßig die Aufnahmen entwickelt, sollte man zusätzlich Regenerator verwenden. Regenerator ist eigentlich nichts anderes als Entwickler nur in einer anderen Konzentration, die man vom jeweiligen Hersteller erfahren kann. Diese Flüssigkeit wird in einem eingefärbten und verschließbaren Behälter, z.B. einem Reservekanister, angesetzt und bis zu seinem jeweiligen Gebrauch kühl und dunkel aufbewahrt (zwecks der Haltbarkeit). Die Menge sollte nicht mehr als ca. acht Liter betragen. Davon wird nun in regelmäßigen Abständen eine gewisse Menge in das Entwicklerbad eingebracht, sprich regeneriert. Auch hier kann man als Leitfaden folgende Werte gut nutzen: 1x in der Woche 300 ml alten Entwickler dem Tank entnehmen und soviel angesetzten Regenerator nachfüllen um den Original-Füllstand wieder zu erreichen. Nach dem Regenerieren muss unbedingt wieder gerührt (!) werden, da sich sonst ungleiche Entwicklungsergebnisse einstellen würden. Geht man von einem Vorrat von 5 Litern aus, so ergibt sich eine Nutzung mit gleichmäßigen Ergebnissen von ca. vier Monaten. Wird danach nicht mehr regeneriert, lässt sich auch sehr schnell feststellen, dass der Entwickler in seiner Wirksamkeit nachlässt. Man sollte nun die Vorratsmenge nicht zu hoch wählen, denn der im Handentwicklungstank verbleibende Entwickler ist etwa nach 6 Monaten zu verbraucht. Natürlich lässt sich das Ganze durch höhere Regenierraten hinauszögern, aber das ist die Theorie. Eine Fehlmenge im Fixierbad wird einfachheitshalber mit Wasser aufgefüllt und dann gerührt (!).

Zum Wechseln der Bäder gibt es nur folgendes zu sagen: Das verbrauchte Fixierbad bzw. Entwicklerbad wird aufgefangen und als Sondermüll entsorgt. Eine ordentliche Reinigung der Tanks muss hier wohl nicht weiter beschrieben werden.

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